Der Edge als Innovationschance: 5 neue IT-Trends

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Man kann derzeit kaum über Technologie sprechen, ohne das Konzept des Edge-Computing zu erwähnen. CIOs, Technologieanbietern und Serviceanbietern ist der Begriff inzwischen geläufig.

Er taucht routinemäßig in der Agenda von IT-Tagungen, auf Websites und in den Strategieplänen von Unternehmen auf. Das Interesse daran ist ähnlich groß wie bei anderen derzeit gefragten Technologien wie 5G, IoT (Internet der Dinge) und KI.

IDC (International Data Corporation) verfolgt diesen Markt sehr genau. Prognosen zufolge sollen die weltweiten Ausgaben im Bereich Edge-Computing bis 2022 auf 176 Milliarden US-Dollar anwachsen. Dies wäre eine Steigerung um 14,8 % gegenüber dem Jahr 2021.

Die Investitionen von Unternehmen und Serviceanbietern in Hardware, Software und Services für Edge-Lösungen werden laut Prognose aus dem IDC Worldwide Edge Spending Guide weiterhin so schnell wachsen und bis 2025 einen Wert von knapp 274 Milliarden US-Dollar erreichen.

Dass Edge-Computing in aller Munde ist, liegt am vorangegangenen Megatrend. Durch die Einführung von Cloud-Computing hat sich die Art und Weise, wie Unternehmen Technologie kaufen und managen, erheblich verändert.

Auch die Herangehensweise bei der Entwicklung und Skalierung von Anwendungen hat sich gewandelt. Zunächst schien es, als würden künftig sämtliche Ressourcen und Komponenten in ein Cloud-Rechenzentrum verschoben.

Diese Erwartung hat sich jedoch nicht erfüllt. Manche Workloads wurden bis heute nicht in die Cloud verlagert. In der weltweiten Umfrage „IaaS View 2021“ hat IDC ermittelt, dass 61 % der Käufer von Cloud-basiertem Internet as a Service sogar Workloads wieder aus der Public Cloud zurück verschoben haben.

Einschränkungen

Dies hängt mit bestimmten Einschränkungen zusammen, die Public-Cloud-Lösungen von Natur aus mit sich bringen. Beispielsweise kann die Netzwerklatenz zwischen einem Endpunkt und einem Cloud-Rechenzentrum zu groß sein, wenn bei Echtzeitanwendungen jede Millisekunde zählt.

In manchen Fällen regeln Bestimmungen oder Richtlinien der Unternehmensführung, wo sensible Daten gespeichert oder wohin sie übertragen werden dürfen. Hinzu kommt die Frage der Ausfallsicherheit und Business Continuity bei plötzlichen Ausfällen der Cloud oder der zugrunde liegenden Netzwerkverbindung.

Edge-Computing hält Lösungen für all diese Einschränkungen bereit und ist damit die ideale Ergänzung zur Cloud- und Rechenzentrumsinfrastruktur. Es spielt inzwischen eine kritische Rolle bei Strategien zur digitalen Transformation, bei der Nutzung von Felddaten zum Automatisieren von Abläufen, beim Entwickeln umfassender Kundenerfahrungen sowie bei der Markteinführung neuer Produkte und Services.

Hier stellen wir fünf neue Trends aus der weltweiten Umfrage „IDC EdgeView 2022“ vor:

1.     Edge-Computing wird als strategische Initiative betrachtet. 72 % der UmfrageteilnehmerInnen nutzen Edge-Technologie zum Erstellen skalierbarer Geschäftsmodelle, wobei 70 % mit sofortiger Rentabilität rechnen. Da immer mehr Daten an Edge-Standorten generiert werden, suchen Unternehmen nach Möglichkeiten, diese Daten zur Differenzierung und als Wettbewerbsvorteil zu nutzen.

2.    Die Bereitstellungsmöglichkeiten am Edge werden immer vielfältiger. Auch wenn oft nur von „dem Edge“ die Rede ist, können Edge-Standorte sehr unterschiedlich sein – von Remotestandorten und Zweigstellen über Industriestandorte wie Fabriken und Lager bis hin zu Einzelhandelsgeschäften. Die unterschiedlichen Umgebungen diktieren oft auch unterschiedliche Hardwareanforderungen wie besondere Robustheit oder spezielle Formfaktoren.

3.    Durch Edge-Computing gewinnt die Rolle der IT an Bedeutung. Durch die Einführung der Cloud haben Entwickler bei Technologieentscheidungen zwar mehr Mitspracherecht erhalten. Da die Edge-Infrastruktur jedoch physisch ist, hat das IT-Management dort mittlerweile knapp dreimal so viel Einfluss wie andere Funktionsbereiche. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig Kompetenzen im Zusammenhang mit dem Remotemanagement mehrerer Standorte sind.

4.    Beim Edge-Computing ist Konsistenz mit Cloud- und Rechenzentrumsumgebungen unverzichtbar. Die ersten Edge-Bereitstellungen waren sehr individuell und mussten stark angepasst und gezielt in andere Systeme integriert werden. Heute achten Unternehmen beim Auswählen von Edge-Lösungen auf die Interoperabilität mit der Legacy-Infrastruktur und auf flexible Bereitstellungsmöglichkeiten in verschiedenen Umgebungen.

5.    Infrastruktur-OEMs sind die meistgenutzte Quelle für Edge-Lösungen. Auf die Frage, woher ihr Unternehmen Edge-Lösungen beschafft, gaben die UmfrageteilnehmerInnen am häufigsten Infrastruktur-OEMs (Original Equipment Manufacturers) an. Zwar gibt es zahlreiche neue Anbieter am Markt für Edge-Computing, doch für erfolgskritische Anwendungen gelten die Erfahrung und der Ruf von IT-OEMs immer noch als maßgeblich.

In vielerlei Hinsicht ist Edge-Computing das bisher fehlende Bindeglied für Anwendungsfälle wie die vorausschauende Wartung in der Fertigung und in anderen Branchen, die mit teuren, umsatzgenerierenden Maschinen arbeiten, deren Verfügbarkeit eine entscheidende Rolle spielt.

Diese Unternehmen haben bereits in das IoT investiert, um mehr Daten von den verbundenen Maschinen zu erfassen. Mit maschinellem Lernen und KI in der Cloud konnten sie daraus Erkenntnisse gewinnen. Bislang fehlte jedoch eine Möglichkeit, diese Erkenntnisse unkompliziert in die Praxis umzusetzen. Werden Analysemodelle nun innerhalb der Fertigungsstätte angewandt, kann der Erkenntnisgewinn automatisiert werden, sodass weniger ungeplante Ausfallzeiten auftreten.

Auch im Einzelhandel bewirken Investitionen in Edge-Lösungen große Veränderungen. In modernen Einzelhandelsgeschäften kommt sehr viel Technologie zum Einsatz, beispielsweise Point-of-Sale-Terminals, digitale Beschilderung und Systeme zur Bestandsverfolgung.

Zudem werden immer häufiger Videokameras und auf visuellen Daten beruhende Analysen für individuellere Shoppingerlebnisse und Schadensvermeidung genutzt. Das gemeinsame Element bei all dieser Technologie ist die Edge-Infrastruktur, die als Aggregationspunkt dienen kann. So wird ein lokaler Datenaustausch zwischen Anwendungen möglich, der zu einer schnelleren, exakteren Entscheidungsfindung beiträgt.

Edge-Computing birgt enorme Chancen für die IT. Es baut auf vorherigen Modernisierungsmaßnahmen auf, indem es vorhandene Cloud- und Rechenzentrumsinfrastrukturen auf neue Standorte ausweitet. Dies wiederum schafft eine Grundlage für die nächste Innovationswelle.

Unternehmen müssen Strategien für das Management dieser verteilten Umgebungen entwickeln. Dell Technologies und VMware liefern ihren Kunden die passenden konsistenten Infrastrukturen, Abläufe und Services für Public Clouds, Private Clouds und Edge-Standorte. Weitere Informationen finden Sie hier.

Informationen zum Autor

Dave McCarthy ist Research Director der IDC Infrastructure Systems, Platforms and Technologies Group mit Schwerpunkt auf einem als „Edge Strategies“ bezeichneten Programm.