Cloud Repatriation - Umkehr in die Private Cloud

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Schon vor der weltweiten COVID-19-Pandemie entwickelte sich eine Multi-Cloud-IT-Strategie zur neuen Norm. Im Februar dieses Jahres stellte IDC fest, dass Multi-Cloud-Implementierungen 64 % der Cloud-Implementierungen ausmachten, verglichen mit 28 % bei Implementierungen nur einer Cloud. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage für Dell und VMware stellte IDG fest, dass Unternehmen in der gesamten EMEA-Region im Durchschnitt fünf verschiedene Cloud-Umgebungen nutzen, wobei größere Unternehmen diese Zahl eher übertreffen und die enthusiastischsten unter ihnen im Durchschnitt mehr als acht Clouds nutzen.

Die Multi-Cloud ist aus verschiedenen Gründen ein Erfolgsmodell. In der 2020 Cloud Computing Study von IDG waren die Teilnehmer auf der Suche nach erstklassigen Optionen für Plattformen und Services, größere Kosteneinsparungen und Optimierungen sowie verbesserte Disaster Recovery und Business Continuity. Offenbar konnten auch viele Unternehmen ihre Cloud-Ziele erreichen. Die Umfrage für Dell und VMware ergab, dass 92 % der befragten Unternehmen aufgrund ihrer Cloud-Investitionen einen größeren Nutzen aus Unternehmensdaten ziehen konnten und 74 % Verbesserungen an der Kundenerfahrung feststellten. Zwei Drittel waren der Meinung, dass die Cloud ihnen dabei half, die Kontrolle über ihre Gesamtbetriebskosten zu behalten. Die größten und fortschrittlichsten unter allen diesen Cloud-Nutzern waren häufig diejenigen, die ihre Cloud-Ziele erfolgreich umsetzen konnten.

CIOs bekommen die Vorteile zu spüren.

„Die harte Arbeit der vergangenen 20 Jahre bedeutet, dass man seine Zeit und Energie nicht mehr in die zugrunde liegende Technologie stecken muss“, sagte John Gillespie, CIO von Amnesty International, kürzlich in einem Interview. „Die Umstellung auf die Cloud hat mich und meine Kollegen von der manuellen Verwaltung vieler Technologien befreit.“

Gideon Kay, CIO von Dentsu Aegis Network, einem globalen Marketingunternehmen in japanischem Besitz, pflichtet ihm bei. „Mit unserer Umstellung auf die Cloud möchte ich den Fokus unserer Mitarbeiter stärker auf Mehrwertschöpfung statt die Verwaltung unserer Produkte und Geräteräume legen“, sagte er zu CIO.

Allerdings sorgte die COVID-19-Krise für einen echten Umbruch und zwingt CIOs und IT-Führungskräfte, ihre IT-Prioritäten zu überdenken. Unternehmen, die bereit waren, große Investitionen in Technologien zu tätigen, die für große Innovationen sorgen könnten, denken jetzt verstärkt an Business Continuity und die Minimierung ihrer Betriebskosten. Eine kürzlich durchgeführte Studie zu den IT-Ausgaben nach dem COVID-19-Ausbruch ergab, dass Kostenkontrolle und Ausgabenmanagement jetzt die wichtigsten Anliegen für CIOs sind. Frühere hohe Prioritäten, wie das Vorantreiben geschäftlicher Innovationen und die Durchführung von Veränderungen, sind nun im Mittelfeld der Liste gelandet.

Überdenken der Public Cloud

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Unternehmen die Cloud aufgeben. Immerhin ergab die Umfrage für Dell und VMware, dass 88 % der Unternehmen glaubten, die Cloud senke die Kosten ihres IT-Betriebs im Schnitt um 26 %. 68 % stimmten außerdem zu, dass durch die Cloud die Ausfallsicherheit ihrer Unternehmen verbessert wird. Darüber hinaus waren Cloud-Ausgaben nicht von der durch die Pandemie verursachten allgemeinen Reduzierung der IT-Ausgaben betroffen. Die Zahlen von IDC für das 1. Quartal 2020 zeigen, dass die Cloud-Ausgaben um 6,4 % gestiegen sind, und IDC rechnet weiterhin damit, dass die Ausgaben für Cloud-Infrastruktur noch dieses Jahr höher sein werden als die Ausgaben für Infrastrukturen außerhalb der Cloud. Gartner erwartet, dass die Ausgaben für Cloud-Services um ganze 19 % zunehmen werden, und die von Gartner prognostizierten Ausgabeniveaus für 2023 und 2024 werden nun auf das Jahr 2022 vorverlegt.

Nicht zu widerlegen ist allerdings, dass CIOs und IT-Führungskräfte ihre Cloud-Investitionen jetzt eingehender betrachten und überdenken. Sie stellen sich die Frage, ob Cloud-Projekte, die Kosteneffizienz und eine Erweiterung ihrer Fähigkeiten versprachen, wirklich für geringere Kosten und höhere Renditen gesorgt haben. Diejenigen Unternehmen, die als Reaktion auf die Pandemie „panikartig“ Cloud-Services kauften – insbesondere Tools für die Zusammenarbeit in der Cloud –, werden hingegen schon bald ernsthaft darüber nachdenken müssen, ob die kurzfristige Lösung von gestern zu einer neuen Quelle von Kosten und Komplexität werden könnte.

Für einige wird dies die Verschiebung wichtiger Workloads zu einem neuen Anbieter bedeuten. Sie könnten sogar versuchen, einen neuen Service zu finden, der die Kosten besser mit der gestiegenen Anfrage in Einklang bringen kann, wie Zoom es tat, als das Unternehmen seine zentralen Services von AWS auf Oracle Cloud verlagerte. In anderen Fällen könnte die Umstellung eine Verschiebung von Workloads, die in der Public Cloud ausgeführt werden, auf lokale Infrastruktur oder eine gehostete Private Cloud bedeuten.

Die Cloud-Rückführung ist kein neues Konzept. Im Jahr 2019 prognostizierte IDC, dass bis zu 50 % der Workloads in Public Clouds aus Sicherheits-, Leistungs- und Kostengründen auf lokale Infrastruktur oder die Private Cloud verlagert werden würden. Die Kosten von Services, die für hochgradig skalierbare, Computing-orientierte Workloads wirtschaftlich scheinen, könnten in die Höhe schießen, wenn die Storage-Anforderungen steigen. Unternehmen, die bei Business-Anwendungen einen „Lift and Shift“-Ansatz verfolgt haben, könnten feststellen, dass sie die angestrebte Leistung nicht erreichen und dass Modernisierungsversuche nicht immer erfolgreich sind. „Das bedeutet nicht, dass die Cloud teuer ist“, teilte IDC-Analyst Sriram Subramanian CIO mit. „Es bedeutet, dass [einige Unternehmen] nicht den besten Migrationspfad für diese Workload genutzt haben.“

Die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Bewertung

Wichtig ist, dass die Unternehmen nicht anfangen, Workloads reflexartig aus der Cloud zurückzuziehen, sondern bewerten, wo und wie diese Workloads ausgeführt werden sollten.

Elias Khnaser, VP-Analyst bei Gartner, bezeichnet dies als „kontinuierliche Analyse der Workload-Platzierung“. Er erläutert: „Dies bedeutet eine regelmäßige Neubewertung von Workloads, die Beurteilung, ob der derzeitige Ausführungsort die Anforderungen des Unternehmens ausreichend erfüllt und ob die Migration auf ein alternatives Modell einen höheren Nutzen bietet, ohne dass ein erhebliches Risiko entsteht.“

Für einige Workloads kann dies bedeuten, dass sie zurückgeholt werden, insbesondere wenn sich dadurch erhebliche Einsparungen erzielen lassen. So migrierte beispielsweise die Craftbier-Brauerei New Belgium Brewing ihre wichtigsten Anwendungen von einer externen verwalteten Cloud auf Dell EMC PowerEdge-Server vor Ort. Diese bilden die Grundlage für einen HCI-Stack (hyperkonvergente Infrastruktur), der sich mit planbareren Kosten skalieren lassen könnte. Bei anderen Workloads ist möglicherweise die Problembehebung oder Leistungsoptimierung in einer Private Cloud einfacher oder es bestehen spezielle Sicherheits- und Complianceanforderungen, die eine lokale Infrastruktur besser erfüllen kann.

Doch es gibt weiterhin zahlreiche Workloads, für die die Public Cloud die beste Wahl ist, insbesondere unter den unvorhersehbaren Bedingungen im Rahmen der COVID-19-Pandemie. In einem kürzlich veröffentlichten Blogbeitrag argumentieren die IDC-Analystinnen Carla Arend und Archana Venkatraman: „Die Flexibilität und Agilität von Cloud-Lösungen, die einfache Bereitstellung und Skalierung neuer Ressourcen, aber auch die Möglichkeit, abzustellen, was nicht benötigt wird, und nur für die tatsächliche Nutzung zu zahlen, passen hervorragend zu der aktuellen Ungewissheit.“

An dieser Stelle kommen die Stärken eines Hybrid-IT-Modells unter vollständiger Nutzung von Cloud und HCI zum Tragen. Unternehmen werden dabei unterstützt, Workloads falls nötig zurückzuführen, sie in der Cloud auszuführen, wenn dies vorteilhaft ist, und die am besten geeignete Plattform für jede Workload auszuwählen. CIOs und IT-Führungskräfte stehen vor schwierigen Entscheidungen – an welcher Stelle sie in die Zukunft investieren und an welcher sie versuchen müssen, ihre Kosten zu senken. Doch die beste Entscheidung, die sie in der frühesten Phase treffen können, besteht in der Einführung eines Betriebsmodells und einer Infrastruktur, die ihnen in Zukunft echte Wahlmöglichkeiten lassen.

Klicken Sie hier, um mehr darüber zu erfahren, wie geschäftliche Anforderungen und Anwendungen Ihnen dabei helfen können, festzulegen, wo Workloads auszuführen sind.

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